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Einschubfiltersysteme im Vergleich

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Haida 100er System mit Polfilter
Einschubfiltersysteme im Vergleich

Auch im Zeitalter der Digitalfotografie ist in der Landschaftsfotografie ist der Einsatz verschiedener Filter sinnvoll. Dazu gehören reine Graufilter (ND-Filter), die die Belichtungszeit verlängern, Grauverlaufsfilter, die hohe Kontraste zwischen Himmel und Vordergrund ausgleichen, und Polfiltern, die störende Reflexionen auf nichtmetallischen Flächen entfernen und die Farben verstärken.
Am besten geeignet für diese Aufgaben sind Einschubfilter-Systeme, die in verschiedenen Größen und Varianten angeboten werden. Neben etablierten Marken wie Cokin und Lee sind inzwischen auch Newcomer wie Haida oder Lensinghouse am Markt. Schwerpunkt des Artikels sind die 100 mm und 150mm Systeme. Die 100er Systeme können problemlos bei Objektiven bis Filterdurchmesser von 82 mm eingesetzt werden. Wenn es noch größer sein muss wie z.B. beim Canon 14/2,8 II, Canon TS-E 17mm oder Nikkor 14-24mm benötigt man das 150er System.

Polfilter
Bei Landschaftsfotografen sind Polfilter sehr beliebt, um zum Beispiel Reflexionen auf Wasser, Steinen oder Pflanzen zu reduzieren und die Farben zu intensivieren. Je nach Drehrichtung ändert sich dabei die Stärke der Filterwirkung. Außerdem schlucken Polfilter Licht, sie haben also etwas von der Wirkung eines normalen Graufilters. Das gibt zum Beispiel die Möglichkeit, Wasser durch die längere Belichtungszeit in Bewegungsunschärfe zu setzen, ohne dazu einen ND-Filter zu verwenden oder weiter ab zu blenden. Der Lichtverlust beträgt ca. 2 Blenden und entspricht somit einem ND-4 Filter. Auch auf blauen Himmel wirkt sich der Polfilter aus. Die stärkste Wirkung auf dem Himmel wird beim Einsatz im Winkel von 90° zur Sonne erzielt. Hier ist allerdings bei Weitwinkel-Objektiven Vorsicht geboten, da der zu starke Einsatz große Helligkeitsunterschiede hervor ruft. Dieser Effekt steigt mit abnehmender Brennweite.

Graufilter oder ND(Neutraldichte)-filter

Graufilter werden verwendet um längere Belichtungszeit zu erzielen. In der Landschaftsfotografie wird dies vor allem dazu eingesetzt, um einen Fließ- oder Wischeffekt von Wasser oder Wolken zu zu erzeugen. Typische Einsatzgebiete des Graufilters sind daher Bäche, Meer, Wasserfälle und Szenen mit Wolken am Himmel. Je länger das Foto belichtet wird, desto stärker wird der Effekt. ND-Filter sind von 4fach bis 4000fach erhältlich. Sie müssen immer in den hinteren Schlitz des Filterhalters eingeführt werden und sollten zum Objektiv hin lichtundurchlässig mit dem Filterhalter abdichten. Dies ist um so wichtiger, je stärker der Filter ist.

Grauverlauffilter

Grauverlaufsfilter gleichen die hohe Kontraste zwischen Himmel und Vordergrund aus. Typische Einsatzzwecke sind zum Beispiel bei Sonnenauf- und untergänge.
Ohne Filter ist der Himmel überbelichtet oder der Vordergrund unterbelichtet. Dies liegt daran, dass der Dynamikumfang zwischen Vordergrund und Hintergrund (Himmel) zu groß ist. Kompensieren kann man den Effekt, in dem man zwei Aufnahmen macht: Eine, die den Himmel und eine, die den Vordergrund korrekt belichtet. Diese werden später mit einer Bildbearbeitungssoftware zu einem Foto zusammengesetzt. (HDR oder Exposure Blending). Bei stark bewegten Objekten (z.B ziehende Wolken, Wellen) stößt die Methode jedoch an ihre Grenzen. Einfacher ist es, einen Grauverlaufsfilter zu verwenden. Grauverlaufsfilter sind oben abgedunkelt (im Idealfall neutralgrau) und werden nach unten transparent. Sie werden so eingesetzt, das der graue Bereich die hellen Stellen im Foto abdunkelt (meist den Himmel) und so ein ausgewogen belichtetes Foto entsteht. Analog den ND-Filtern gibt es auch Grauverlauffilter in verschieden Stärken, meist von 0,3 (1 Blende) bis 0,9 (3 Blenden) oder 1,2 (4 Blenden). Es können auch Filter kombiniert werden.
Bei Verlauffiltern ist neben der Dichte auch der Verlauftyp entscheidend. Es gibt es Filter mit weichen (Soft), harten (Hard) und einem umgekehrten (Reverse) Verlauf.
Filter mit einem harten Übergang sind nur sinnvoll, wenn der Horizont sehr gerade ist. Diese setzte ich vor allem am Meer ein. Für einen weniger geraden Übergang sind Filter mit weichem Verlauf am besten. Hier im Zweifelsfall lieber einen Filter mit geringerer Dichte einsetzten und den Rest am Computer korrigieren. Der Reverse Grauverlaufsfilter wird nach oben wieder lichtdurchlässiger und verhindert, dass beim Sonnenaufgang oder -untergang der obere Teil des Himmels zu stark abgedunkelt wird. Gängige Filterstärken sind oben 2 Blenden, Mitte eine schmaler Streifen mit 3 Blenden und nach unten ein harter, transparenter Übergang. Im nachfolgenden wollen wir einige Hersteller genauer betrachten:

Lee

Die Firma englische galt bisher als der der Primus unter den Filterherstellern. Neben dem 100er und dem 150er System hat Lee ein „sev5n“ Sytem (75 mm für kleiner Objektivdurchmesser) und das „bug“-System für die Gopro am Start.
Der Filterhalter für das 100er System ist sehr präzise und kann von 2 auf 3 Einschübe ergänzt werden (im Lieferumfang enthalten). Es gibt sehr viele Variations- und Kombinations-möglichkeiten, auch die Kombination von 2 Haltern ist möglich. Optional ist ein Ring zur Adaption eines 105 mm Polfilter erhältlich. Damit sind alle Kombinationsmöglichkeiten mit ND und ND-Verlauffiltern gegeben und man kann jeden 105 mm Standard Schraub-Polfilter einsetzen.
Alle Verlauffilter sind aus Kunststoff und entsprechend empfindlich. An ND-Filtern gibt es mehrere Stärken, am interessantesten sind die Varianten „Little Stoppper“, ND 64 (1,8) sowie “Big Stoppper“, ND 1000 (3,0). Diese sind aus Glas und haben eine Maske zur Abdichtung.

Der 150 mm Filterhalter mit der Bezeichnung „SW150“ ist inzwischen in Version II für viele Objektive wie Nikon AF-S Nikkor 14-24mm f/2.8G ED, Nikon 14mm f2.8 D AF ED, Canon EF 14mm f2.8 L II USM, Canon EF 11-24mm f4L USM erhältlich. Die Version I war nicht für „Little Stoppper“ und “Big Stoppper“ gedacht, da keine Abdichtung zum Filterhalter vorgesehen war. Mit einem Zubehörteil, dem Lightshield, läßt sich dies jedoch nachrüsten.

Fazit: Lee-Filter und -zubehör galten immer das Werkzeug der professionellen Landschaftsfotografen. Inzwischen muß man sagen, das andere Anbieter wie Haida bessere Lösungen zum Teil für einen Bruchteil des Preises bieten. Die teilweise extremen Lieferengpässe hat die Firma offensichtlich nur weitgehend im Griff. In Deutschland kosten „Big-Stopper“ und „Little-Stopper“ für das 100er System ca. 150 Euro, für das 150er System ca. 200 Euro, Grauverlauffilter entsprechend 100 Euro bzw. 150 Euro. Bei uns sind Filter und Zubehör teilweise schwierig zu bekommen und im Verhältnis zu England teuer, hier lohnt sich auf jeden Fall eine Bestellung direkt auf der Insel.


Lensinghouse

Lensinghouse Filter sind relativ neu auf dem Markt und werden aktuell von der Firma Isarfoto Bothe in Icking und GM-Foto in Frankfurt vertrieben. Im Angebot ist ein 100er System (Version II) mit Adaptern von 58mm bis 82 mm in allen gängigen Größen. Der Filterhalter ist aus Aluminium und kann von 2 auf 3 Einschübe ergänzt werden (im Lieferumfang enthalten). Alle Filter sind aus Glas und vergütet. An ND-Filtern sind alle Stärken von ND 4 (0,6) bis ND 2000 (3,3) im Programm. Sie haben die Größe 100x100mm. Das Angebot an Grau-Verlauffiltern umfasst 0,6 und 0,9 in HARD und SOFT sowie einen Reverse Grau-Verlauffilter in der Stärke 0,9. Ein Polfilter in der Größe 100x100mm ergänzt das Sortiment. Ebenso lässt sich in den Adapterring ein 82mm Polfilter einschrauben.
Nicht optimal lassen sich Polfilter und ND oder Grauverlauffilter kombinieren. Es gibt hierzu 2 Optionen:
1. Es lässt sich in den Adapterring ein 82 mm Polfilter einschrauben, hier ist eine Kombination mit Verlauffiltern möglich. Die Verwendung eines ND-Filters hoher Dichte funktioniert bei diese Kombination nur bedingt, da eine Abdichtung gegen einfallendes Licht zum Halter hin nicht möglich ist.
2. Nutzung des quadratischen Polfilters – allerdings nur in Kombination mit einem ND-Filter, nicht mit ND-Verlauffilter optimal, da bei Verwendung eines ND-Verlauffilters der Polfilter jeweils nur in 90° Schritten gedreht werden kann. Meist kann man jedoch mit der Lösung leben, alternativ paßt der Lee Polfilter Ring (passt genau in die vorhandenen Löcher) für 105mm Polfilter. Hier hat man dann alle Optionen.

Für das 150mm System ist das Angebot an ND Filtern etwas kleiner (ND 8 (0,9), ND 64 (1,8), ND 1000(3,0), aber völlig ausreichend. Verlauf- und Polfilter sind analog dem 100er System erhältlich. Die 150mm breiten Filterscheiben können in spezielle Filterhalter eingesetzt werden, die für das Canon 14/2,8 II, Canon TS-E 17mm, Hasselblad 95mm, Nikkor 14-24 und Zeiss 15/2,8 T erhältlich sind.

Fazit: Insgesamt bieten beide Größen alles was der Naturfotograf braucht. Verlauffilter in der Stärke 0,3 (1 Blende) sind aus meiner Sicht verzichtbar. Gut ist auch der Reverse Grau-Verlauffilter, der bei einigen Anbietern im Sortiment fehlt.
Preislich liegen die Filter des 100er Systems bei bis zu 200 Euro/Stück, beim 150er System bei bis zu 300 Euro/Stück.



Haida

Die Produkte der chinesischen Firma Haida werden in Deutschland von Pro-Photoshop vertrieben. Die Firma baut ihr Sortiment kontinuierlich aus, im Angebot ist aktuell ein 100er und ein 150 er System, beide Metall und sehr hochwertig.
Aktuell sind ND-Filter aus Glas in den Stärken ND-8, ND-64, ND-1000 und ND-4000 sowie Grauverlauffilter von 0,3 bis 1,2 in HARD und SOFT und Reverse Grau-Verlauffilter in der verschiedenen Stärken zu haben. Alle Filter sind aus Glas. Der spezielle Polfilter läßt sich beim 100er System in den Adapterring einschrauben und ist so schmal, das man einen ND-Filter noch in den ersten Filterslot einschieben kann und dieser noch zum Halter hin abdichtet. Aus meiner Sicht die beste Lösung aller Anbieter. Beim 150er System wird ein quadratischer Glasfilter geliefert mit den bereits beschriebenen Nachteilen. Hier ist eine andere Lösung aufgrund der Größe wohl kaum besser zu realisieren.

Fazit: Die anfängliche Skepsis gegenüber Haida Produkten schlug bei mir inzwischen in Begeisterung um, und auch die Kritiken im Netz sind durchweg positiv.
Die Preise sind moderat, besonders der 150 mm Filterhalter ist sehr zu empfehlen. Es ist mit Abstand der beste Halter im Test und kostet etwa ein Drittel des Lee Adapters. Die Preise der Filter liegen beim 100er System zwischen 85 und 115 Euro, der Polfilter kostet 140 Euro. Die Filter sind auch in verschiedenen Sets zum Teil mit Halter erhältlich und deutlich günstiger.




Cokin

Die französische Firma Cokin ist der Markführer in Sachen Filter und hat neben dem 100er (Z-Pro) und dem 150er System (X-Pro) noch die A-Serie und die P-Serie für kleiner Objektivdurchmesser im Programm. Vom Aufbau sind alle Filterhalter in etwa gleich. Cokin-Halter liegen preislich eher im unteren Segment, was ich auch deutlich in der Präzision und Haptik widerspiegelt. Besonders nervig finde ich persönlich die Kunststoffpins bei der Z-Pro Serie, die ein herausfallen der Filter verhindern sollen. Diese sind aus meiner Sicht überflüssig.
Das Angebot an Adapterringen ist extrem groß und reicht bis 112 mm, auch Sondergrößen wie Rollei und Hasselblad werden bedient.
Bei den Polfiltern hat Cokin ein eigenes Konzept, hier werden spezielle runde Polfilter (ca. 400 Euro für das 100er, ca. 540 Euro für das 150er System) in den Halter eingesetzt, wobei die Verstellmöglichkeiten erhalten bleiben. Problematisch ist auch hier die Kombination mit einem ND-Filter, da dieser dann nicht direkt vorne in den Filterhalter gesetzt werden kann und so Fehllicht verhindert. Die Cokin Polfilter gibt es noch in verschiedenen Farbvarianten.
ND-Filter sind inzwischen auch als Glasfilter unter dem Namen „Nuances“ auf dem Mark. Für das 100er System sind Filter zwischen einer Blende (ND-2) und 10 Blenden (ND-10) erhältlich, die Preise liegen zwischenbei ca.140 Euro. Für das 150er System sind die Stärken ND-32, ND-256 und ND-1024 erhältlich. Leider besitzen die Filter im Vergleich zu den vorgestellten Mitbewerbern keine Abdichtung, sodass man vor allem bei hohen Dichten ein Problem mit Fehllicht hat.
Das Portfolio an Verlauffiltern ist bei Cokin fast unüberschaubar, hier nehmen jedoch farbige Filter den größten Raum ein. Leider ist das Angebot an ND-Verlauffiltern jedoch nicht so schlüssig wie bei den übrigen Anbietern (Unterscheidung hard/soft in verschiedenen Stärken).
Neben den genannten Filtertypen hat der französische Hersteller noch viele weitere Filter wie Spot, optische Effekten, Farbeffekte usw. im Sortiment. Ob der ernsthafte Naturfotograf diese Filter wirklich benötigt, sei mal dahin gestellt, zumal die meisten Effekte in der digitalen Dunkelkammer erreicht werden können, umgekehrt aber beim Einsatz von Filtern dieser Effekt später nur schwer korrigiert/revidiert werden kann


Fazit: Die Halter lassen sich aber an fast alle am Markt erhältlichen Objektive adaptieren, die Qualität des Filterhalters fällt gegenüber den anderen 3 vorgestellten Herstellern deutlich ab. Die neue Serien „Nuances“ macht optisch einen guten Eindruck, die Abdichtung gegen Fremdlicht fehlt aber. Das Handling mit dem Polfilter ist gut, führt aber zu den beschrieben Einschränkungen. Für das 150er System liefert Cokin als einziger Hersteller ein stufenlos einstellbaren Polfilter, wobei sowohl der 100er als auch der 150er preislich im Gegensatz zu den anderen Filtern mit Abstand am höchsten liegen. Insgesamt hat Cokin das breiteste Sortiment.


Sonstige.....

Neben den vorgestellten Herstellern sind noch der Singh-Ray aus den USA und Hitech Filter aus UK am Mark. Singh-Ray ist den USA sehr beliebt, aber in Deutschland kaum zu bekommen. Hitech Filter werden in Wales produziert und liegen preislich etwa auf dem Niveau von Cokin. Inzwischen sind auch ND-Filter von Hitech aus Glas unter dem Namen Firecrest erhältlich.




Optische Leistung und Farbneutralität

Alle Hersteller versprechen bei ihren Filtern Farbneutralität, kaum einer kann das Versprechen jedoch halten. Direkt verglichen habe ich die ND-64 Filter der 4 Hersteller. Die farbneutralsten Ergebnisse lieferte Lensinghouse. Haida tendiert wie Cokin eher zu wärmeren Farben, wenn auch nicht so stark. Lee zeigt beim „Little Stopper“ einen leichten Blau/Grün Ton. Bei meinen Testaufnahmen konnten die Farbstiche mittels Weißabgleich jedoch weitgehend korrigiert werden.

Die Newcomer Haida und Lensinghouse haben mit ihren neuen System frischen Wind in den Markt gebracht. Beide Systeme sind hochwertig und für mich die klaren Sieger des Vergleichs. Der große Vorteil bei Einschub-Filtersystem liegt in der freien, fast uneingeschränkte Kombinationsmöglichkeit von Filter und Filterhalter verschiedener Hersteller. Man ist also, anders als bei einem Kamerasystem, nicht an eine Marke gebunden.